Mein Name ist Magdalena Nowicka-Treschnitzer, bin Altenfachbetreuerin und arbeite seit fünf Jahren im Altersheim Lassing. In diesem Jahr absolvierte ich noch eine zusätzliche Ausbildung zur Sozialfachbetreuerin. Im Rahmen meiner Ausbildung machte ich ein Projekt: „Begleitung in die Mitte unserer Gesellschaft".
In unserem Heim habe ich Frau Astrid Schleipfner kennengelernt. Astrid ist eine junge Dame mit intellektueller Beeinträchtigung und kommt drei Mal in der Woche ins Heim, um uns ein wenig beim Kaffeeverteilen und beim Putzen zu helfen. Ich habe öfters mit Astrid gesprochen und habe den Eindruck gewonnen, sie möchte auch gerne andere Tätigkeiten bei uns ausüben.
Das hat mich auf die Idee gebracht, in meinem Projekt Astrid zu begleiten. Das Ziel meines Projektes war, durch die Unterstützung und begleitende Einführung in einige Aspekte der Animation und der Pflege ihren Tätigkeitspielraum zu erweitern und so ihr positives Selbstwertgefühl zu fördern. Wichtig für mich war, Astrid zu helfen, eine Beschäftigung zu finden, die sowohl ihren Neigungen, wie auch ihren Fähigkeiten entspricht. Es war mir ein großes Anliegen zu zeigen, dass jeder Mensch, ob behindert oder nicht, Recht auf Selbstverwirklichung hat, und dass alle im Herzen gleich sind und daher jeder eine Chance verdient.
Wir starteten unser Projekt am 14. Januar 2010. Astrid sollte die Senioren und Seniorinnen animieren, mit ihnen Ball spielen, ihnen ein Buch vorlesen, sie beim Spaziergang begleiten, mit ihnen etwas zeichnen.
Als nächste Schwierigkeitsstufe sollte sie in einige Aspekte der Pflege eingeführt werden. Auffallend war sofort, wie viel Geduld, Konzentration und Empathie Astrid hat. Die Reaktion der BewohnerInnen war sehr positiv. Alle freuten sich auf neue Erfahrungen.
Astrid bewies an diesem Tag, dass sie sehr interessiert, engagiert, geduldig, offen, kommunikativ, lernbereit und lernfähig ist. Sie verfügt über viele Ressourcen und kann diese umsetzen. In Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsleistung wurde Astrid von allen ArbeitskollegInnen und von allen BewohnerInnen sehr gelobt, und es wurde ihr ein absolut positives Zeugnis ausgestellt.
Es sind oft unsere Denkweisen über Andersartigkeit, Unterschiedlichkeit und Vielfalt, die eine Trennlinie spürbar und sichtbar machen. Nicht der Mensch, der anders ist, muss verändert oder angepasst werden, sondern unsere Denkweise und Sichtweise muss sich verändern.
Erst wenn wir die Vielfalt akzeptieren können, können wir den Menschen als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft sehen, den Menschen als Menschen wertschätzen und nicht durch Fähigkeiten und Unfähigkeiten, nicht durch Stärken und Schwächen klassifizieren.