Die Volksschule konnte sie in Döllach besuchen, doch für die Hauptschule musste sie dann täglich mit dem Bus nach Liezen pendeln. Wie viele Kinder ging Anni nicht gerne zur Schule, doch der Vater war in diesem Punkt sehr streng. Von ihrer Mutter erhielt sie mehr Zuneigung und Verständnis.
Schon als Kind hatte sie den Wunsch, Verkäuferin zu werden, da sie gerne mit Menschen zusammen war. Und so entschloss sie sich für eine Lehre als Einzelhandelskauffrau und bestand diese mit gutem Erfolg. Ihr weiterer Berufsweg führte sie nach Rottenmann zur Firma Bauknecht. Ihren starken Willen zeigte Anni auch dadurch, dass sie als junge Frau nicht nur den herkömmlichen
B-Führerschein machte, sondern als Draufgabe auch die Berechtigung zum Lenken eines Motorrads und LKW's mit Bravour bestand.
Die große Liebe?
Im Alter von 19 verließ Anni ihr Elternhaus und zog nach Rottenmann, wo sie auch ihre große Liebe kennenlernte. Bald darauf wurde sie schwanger und 1981 kam ihr Sohn Mario zur Welt. Leider währte ihre Freude nur kurz, denn schon bald wurde bei ihr die Diagnose Multiple Sklerose gestellt. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide und mit diesem Umstand konnte ihr Partner nicht umgehen und verließ die junge Mutter.
Wegstationen
Die nächste Zeit war geprägt von Umzügen und Ortsveränderungen. Nach der Rückkehr in das Elternhaus kam es unweigerlich zu zwischenmenschlichen Problemen, da auch ihr Vater mit der schweren Krankheit nicht umgehen konnte. So war Anni gezwungen, in das Pflegeheim nach Trieben auszuweichen, da sie vermehrt Pflege brauchte und auf fremde Hilfe angewiesen war. Bei einem Kuraufenthalt in Bad Ischl lernte sie einen überzeugten Christen kennen, der selbst auch an MS erkrankt war. Dieser junge Mann strahlte trotz seiner Krankheit so viel Frieden und Zuversicht aus und dieser tiefe Glaube berührte Anni sehr. Sie begann, selber in der Bibel zu lesen und hörte Predigten auf Kassetten.
Kummer und Freude
Auch privat gab es so manch Schweres zu überwinden, wie z.B. den Tod eines Bruders, der nach einem Alkoholleiden sehr früh verstarb. Ein anderer Bruder kam beim Grubenunglück in Lassing ums Leben. Weitere Krankheitsschübe galt es ebenso anzunehmen, die sie immer mehr an den Rollstuhl oder das Bett fesselten.
2001 trat ein neuer Mann in ihr Leben - Laso, auch MS-Patient. Ihren Wunsch nach mehr Unabhängigkeit erfüllte sich Anni mit dem Umzug in eine eigene Wohnung nach Spital am Pyhrn, wo sie von ausländischen Pflegerinnen rund um die Uhr versorgt wurde. Doch die sprachliche Barriere erwies sich als zu groß und Anni beschloss, wieder in ein Heim zu gehen, diesmal nach Gosau ins Brigittaheim. Sie musste aber nicht alleine gehen, Laso folgte ihr. Das gemeinsame Schicksal schweißte die beiden zusammen und mit ihm erfüllte sie sich so manchen „verrückten" Wunsch, wie z.B. das Rauchen einer Zigarette, wo Laso ihr beim Rauchen „assistieren" musste. Das Aushecken von Streichen erfüllte Anni mit neuer Lebensfreude, und so konnte sie ihre Sorgen etwas vergessen. Doch auch diese gemeinsame Zeit ging zu Ende, und sie kehrte in ihre alte Heimat zurück - ins Bezirksaltenheim Döllach.
Seit 2007 ist unsere Anni Bewohnerin, und wir haben sie alle ins Herz geschlossen. Gerne versuchen wir, ihr so manchen persönlichen Wunsch zu erfüllen, wie z.B. Einkaufen in der Arkade, auf einen Kaffee „fahren", Verwandte besuchen oder kleine Ausflüge unternehmen, um ihr den Alltag aufzulockern.
Regelmäßig erhält sie auch Besuch von christlichen Geschwistern, die ihr auf ihren Wunsch hin aus der Bibel vorlesen und mit ihr beten. Hier schöpft sie Kraft und Hoffnung für jeden Tag.
Abenteuerlich
Ein besonderes Highlight für unsere Anni wird ihre bevorstehende Griechenlandreise nach Rhodos sein, die sie schon kaum erwarten kann. Das ganze Team vom 1. Stock arbeitet mit großer Freude an den Vorbereitungen. Die täglichen Mobilisationen sind bereits jetzt darauf ausgerichtet, sie körperlich auf die Reisestrapazen gut zu konditionieren, sodass sie ihren Urlaub beschwerdefrei genießen kann.
Mit diesem Urlaub geht für Anni ein Riesenwunsch in Erfüllung, den wir ihr alle von ganzem Herzen gönnen.
Dein Team, das dich jeden Tag begleitet...