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Freitag, 19. August 2011

Validation

Eine Möglichkeit, alte und demente Menschen zu verstehen.

Ehegatten, Töchter, Söhne, Enkel und Geschwister erleben, wie sich eine vertraute und geliebte Person mit zunehmendem Alter verändert. z.B.

  • wenn Er/Sie Dinge verlegt, Sachen vergisst und dann andere beschuldigt,
  • wenn Er/Sie plötzlich erklärt: „Ich muss in die Schule, in die Arbeit, nach Hause",
  • wenn Er/Sie überzeugt ist, sich um die Eltern (die längst verstorben sind), die Kinder (die inzwischen erwachsen sind) kümmern zu müssen,
  • wenn Er/Sie aggressiv wird und sie oder andere beschimpft.

Meist wird man hier als Angehöriger mit der Diagnose „Demenz“ konfrontiert. Über dieses Krankheitsbild wird in den Medien viel berichtet. Aber wie begegne ich dem dementen Menschen? Wie halte ich Kontakt zu ihm? Wie und über was spreche  ich, wenn seine Erinnerungen, kognitiven Fähigkeiten, seine Fertigkeiten… langsam schwinden?

Eine Unterstützung dafür bietet Naomi Feil mit Ihrer Methode der „Validation“ an.

Validation ist eine Kommunikationsform, um mit desorientierten, dementen Menschen, trotz ihrer Verwirrtheit, in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu kommunizieren.

Validation bedeutet vom Wortsinn her „etwas für gültig erklären“ und zwar die Realität des desorientierten alten Menschen. Die Gefühle dieser Menschen anzuerkennen, ohne sie zu beurteilen oder in ihrem Verhalten zu korrigieren.

 

Der Leitsatz in der  Validation lautet: „In den Schuhen des anderen gehen“. Das heißt:

  • sich auf seine Gefühle einstellen, die er offen zeigt,
  • die Erinnerung mit ihm teilen,
  • mit seinen Augen sehen,
  • mit seinen Ohren hören,
  • die Signale auffangen um seine Gefühle in Worte zu fassen.

Ein Beispiel: Die Mutter nimmt ihren erwachsenen Sohn wieder als kleines Kind war. Ohne Validationsmethode sagt man zur Mutter vielleicht folgende Sätze: 

  • „Mama du bist doch schon 85. Jahre alt, ich bin erwachsen!“ 
  • „Mama du hast mich vor 50 Jahren zur Welt gebracht. Ich hab selber schon große Kinder.“

Reaktionen der Mutter auf die Antworten des Sohnes, welche sich auf seine Realität beziehen, könnten sein: Unverständnis, Ärger, Wut, Beleidigungen.

  • „Sie können das ja gar nicht wissen!“
  • „Ich weiß wohl, wann ich meinen Sohn zur Welt gebracht habe!“
  • „Sie lügen mich auch an - wie alle anderen!“

In der Validation erklärt man der Mutter nicht, dass ihr Sohn doch längst erwachsen ist, denn die Mutter ist  in ihrer Demenz in die Vergangenheit zurückgekehrt. 

Die gegenwärtige Realität existiert für sie in diesem Moment schlicht nicht. Es gilt  nun, ihre indirekt geäußerten Gefühle wie Sorge, Verantwortung, Pflichtbewusstsein oder Liebe nachzuvollziehen, diese zu bestätigen und an Biografisches anzuknüpfen.

Spricht sie vielleicht beunruhigt vom Sohn, wären folgende Sätze möglich:

  • „Als Mutter macht man sich immer Sorgen.“
  • „Du trägst ja auch Verantwortung.“ 
  • „Mutter bleibt man ein Leben lang.“ 
  • „Das war für dich sicher nicht immer einfach, den wilden Buben zu erziehen.“ 
  • „Man liebt seine Kinder über alles.“ 

Darauf könne dann die Mutter wieder eingehen und die Beziehung zwischen beiden würde weniger belastend sein.

Validation hilft also, das Verhalten alter, desorientierter Menschen zu verstehen und den Umgang mit ihnen konfliktfreier zu gestalten.

Validation gibt einen Einblick in die Ursachen des Verhaltens desorientierter, alter Menschen und zeigt Möglichkeiten des einfühlsamen Gesprächs auf.