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Donnerstag, 01. Dezember 2011

Irgendwo zu Hause sein

Dieser Wunsch gehört zu den zentralsten Sehnsüchten jedes Menschen.

Wie wichtig ein Zuhause ist, weiß vor allem der, der keines hat. Der, der auf der Straße ohne Privatsphäre leben muss und allem ausgesetzt ist. Wer den Unbilden der Natur schutzlos ausgeliefert ist, weiß um die Notwendigkeit eines Fleckens, der vor Wind und Wetter schützt, der den Frost aussperrt und dem Regen und dem Schnee die Stirn bietet.

Wir brauchen Orte, an denen wir selbst mitbestimmen können, was geschieht und nicht geschieht, wie sie aussehen und nicht aussehen sollen.

Wir brauchen Räume, in die wir uns zurückziehen können, in die wir uns verkriechen können, wie die ersten Menschen in ihre Höhlen. Wir brauchen diese Orte der eigenen Individualität, auch zum Schutz unserer Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit.

Wir brauchen ein Zuhause, an dem wir Halt bekommen und das uns Sicherheit vermittelt.

Es gibt ja nicht nur die Stürme draußen, sondern auch Stürme von Traurigkeit, Angst und Niedergeschlagenheit; Stürme, ausgelöst durch Schicksalsschläge, Krankheit und Vergänglichkeit.

Und was hilft das schönste Haus, wenn es Menschen bewohnen, die es durch gegenseitige Grobheit und Missachtung in eine Hölle verwandeln?

Und über all das hinaus: Wir brauchen Menschen, bei denen wir Zuhause sein können; ebenso Aufgaben und Tätigkeiten und sinnvolle Antworten auf unsere Lebensfragen. Das alles bietet uns ein Dach über der Seele.

Gerade im Alter ist das Bedürfnis nach dem eigenen Zuhause besonders stark. Man hat schon vieles erlebt, erfahren und durchgemacht. Viele haben noch die Unbehaustheit der Kriegsjahre erlebt, wie Flucht und Zerstörung. Die eigenen Kräfte lassen nach, und man möchte eine vertraute Umgebung und ein stabiles Umfeld als Fundament für ein erfülltes Dasein im Alter. Unser Pflegeheim habe ich immer so erlebt, dass es ein solches Zuhause bietet. Durch die Möglichkeit, Zimmer individuell zu gestalten und vor allem durch die Zuwendung über das rein Technisch-Pflegerische hinaus, durch Ansprache und Eingehen auf die seelisch-geistigen Bedürfnisse der BewohnerInnen ist hier Raum für Beheimatung gegeben. Auch der kirchliche Dienst möchte zu dieser ganzheitlichen Beheimatung beitragen.

Natürlich ist es auch entscheidend, dass sich die Pflegeleitung und alle MitarbeiterInnen selber in ihren verantwortungsvollen Tätigkeiten zuhause fühlen. Aufeinander hören, zueinander stehen, miteinander arbeiten, die jeweiligen Stärken und Grenzen der Kollegin/des Kollegen wahrnehmen, ist wohl eine tagtägliche Herausforderung.

An dieser Stelle sei allen gedankt, die unser Pflegeheim zu einem Zuhause machen, auch den Familienangehörigen und BesucherInnen.

Mit folgendem Segen wünsche ich uns allen eine umfassende Beheimatung für Geist, Seele und Leib!

„Gott sei du die Mitte, aus der wir leben.

Sei du das Dach, das uns beschützt.

Sei du die Kraft, die uns zusammenhält.

Sei du der Raum, in dem wir wachsen

Gib du Frieden den Kommenden, Freude den Bleibenden und Segen den Scheidenden. Amen."

Andreas Fischer, Pfr.