Der weit überwiegende Teil der Menschen mit Demenzsymptomen wird von Angehörigen zu Hause gepflegt. Das Sicheinfühlen in die Welt des Kranken, das Akzepierenmüssen von Gedächtnis – und Sprachverlusten, von Persönlichkeitsveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten, das Schlucken von Kränkungen und Stimmungsumschwüngen, das Zurücknehmen eigener Bedürfnisse, die Verluste an Beziehung schon zu „Lebzeiten", das Aufgeben von Zukunftsplänen – all das ist schwere psychische Arbeit.
Demenzratgeber in wachsender Zahl warnen daher Angehörige vor Überforderung, raten ihnen, sich „Auszeiten" zu nehmen, Kontakte zu pflegen, ein „Helfernetz" aufzubauen.
Kritisch ist oft weniger das alltagspraktische Versorgen, als vielmehr das Steckenbleiben in den Windungen der Wut- Ohnmacht- Spirale angesichts der Macht der Krankheit.
Die häufigsten Symptome pflegender Angehöriger sind deshalb Erschöpfungszustände, psychosomatische Beschwerden, Depressionen, chronische Schmerzen oder ein geschwächtes Immunsystem. Es kann auch zu organischen Erkrankungen als Folge von Überlastung kommen.
Je mehr Angehörige sich um den Erkrankten kümmern, desto besser. Es ist auch absolut keine Schande, sich Hilfe zu holen, wenn sie benötigt wird, ob nun in Form von Beratung für die Familie, oder in Form von Betreuung für die an Demenz erkrankten.
Auch falsche Hoffnungen sind eine Falle, in die pflegende Angehörige häufig tappen. Es gibt nämlich auch bei der Demenzerkrankung Schwankungen des Verlaufs, unterschiedliche Tagesformen, sodass manchmal plötzlich Dinge wieder erinnert. Dieses kurze Wiederauftauchen einer Erinnerung oder einer Handlung ändert allerdings nichts am Fortschreiten der Krankheit.
Aber auch hohes Pflegeengagement kann belasten. Viele Angehörige meinen, die Pflege ganz alleine schaffen zu müssen und muten anderen nichts zu. Doch falscher Heldenmut kann schnell zum selbstgeschaffenen Exil werden.
Pflegefähigkeit und –willigkeit entspringen nämlich nicht dem entwicklungspsychologischen Bilderbuch – es gibt sie also nicht die heile Sorgewelt. Wo es ums Versorgen zu Hause geht, gibt es Ambivalenzen, gibt es Schuldgefühle, muss Hans eben lernen, was Hänschen nicht gelernt hat.
Abschließend lässt sich sagen: Es gibt keine Gratispflege. Beratungs- und Unterstützungsangebote sollten als Bestandteil einer modernen Pflegekultur genutzt werden.
Doch das Pflegen und Betreuen ist, zumal bei wachsender Bedürftigkeit auch Aufgabe der Gesellschaft, der Vereine und letztlich der Bürger. Es lässt sich nicht entsorgen, nicht in die Heime und auch nicht in die Familien.