Nicht so, wenn man sie in einem Pflegeheim weiß, wegen der so genannten Altersdemenz, will heißen, es kann ihr der Alltag in ihrer und unserer „ „normalen" Welt nicht mehr zugemutet werden. Während der einstündigen Fahrt von Trieben nach Bad Aussee gingen uns durchaus unangenehme Fragen durch den Kopf:„Wird sie uns erkennen?" „Wie geht's ihr, entwurzelt von daheim?" usw.
Das alles wurde Makulatur, als wir vor den Toren der Pflegestation standen. Immer noch mit Bauchweh behaftet, wurden wir Zeugen eines Szenarios, das uns in Wirklichkeit eher an ein Bild Van Goghs erinnerte. Unter dem weit ausladenden Geäst eines Laubbaumes nahmen ca. zwanzig Senioren und Seniorinnen , bedeckt mit Strohhüten, ihr Mittagessen zu sich. Eine derart friedliche Idylle, dass sich binnen kurzem Hektik und Ängste verflüchtigten – wir fühlten uns quasi „entschleunigt".
Die Einzigen, die sich in normalem Tempo bewegten, waren die Mitglieder des Pflegepersonals, bemüht, den Ansprüchen ihrer Pfleglinge gerecht zu werden.
Als wir dann noch eingeladen wurden, unsere Mami beim Essen zu unterstützen, waren endgültig unsere Zweifel ob der Richtigkeit ihrer Unterbringung verflogen. Abgesehen von der traumhaften Lage des Pflegeheims waren es vor allem die liebevolle Präsenz und die unaufdringliche Kompetenz der MitarbeiterInnen, die uns aufs Nachhaltigste beeindruckten und immer noch beeindruckt.
Da wo unsere Mami jetzt lebt, ist sie in den guten Händen und in einer Gesinnung von Personen, die ihr trotz allem ein Dasein in WÜRDE ermöglichen wollen.