Pflegesymposium

Pflegesymposium

Selbstbestimmt bis zum Tod Unter diesem Titel fand am 6. Oktober das 7. Pflegesymposium des Sozialhilfeverbandes Liezen im Congress Schladming statt. Mag. Johannes Kaup vom ORF Radio Ö1 führte die gut 330 Teilnehmer:innen aus der Pflege durch einen emotional wie inhaltlich intensiven Tag der Bildung und Begegnung.

Dr. Hans-Moritz Pott begrüßte im Namen der Stadtgemeinde die Gäste, die haupt- und ehrenamtlich in allen Bereichen der Pflege arbeiten. Er weiß sowohl aus seiner beruflichen wie auch privaten Erfahrung, dass die Themen des Tages betroffen machen und jeden betreffen und für die Stadtgemeinde ist es ein einstimmiges Zeichen der Wertschätzung der Arbeit von Beschäftigten in der Pflege, diese Bildungsveranstaltung großzügig zu unterstützen.

Bürgermeister Herbert Gugganig, Obmann des Verbandes machte deutlich, dass nicht nur die Mitarbeitenden in der Pflege immer wieder und öfter im beruflichen Alltag, sondern auch die Gemeinden in ihrer finanziellen Verantwortung an ihre Grenzen gelangt sind und richtete einen deutlichen Appell in Richtung Land und Bund.

Dieser Diskussion stellte sich prompt die zuständige Landesrätin Dr.in Juliane Bogner-Strauß, die den ganzen Nachmittag ihre Aufmerksamkeit den Teilnehmer:innen und Themen widmete. Es sei ihr bewusst, dass wichtige Themen im Kontext der Pflege und Gesundheit, von der demografischen Entwicklung bis hin zur Eigenverantwortung für ein gesundes Leben und damit verbundenen präventive Maßnahmen und Möglichkeiten, auch von der Politik nicht die notwendige Aufmerksamkeit hatten. Sie arbeite in ihrer Verantwortung intensiv daran, hier viel an Wegstrecke wieder gut zu machen, um gemeinsam das Ziel zu erreichen, dass jeder dort im Alter und Pflegebedürftigkeit leben könne, wo er es selbstbestimmt möchte.

Das Sterbeverfügungsgesetz sei eine typisch österreichische Lösung und der damit verbundene Hürdenlauf in der konkreten Umsetzung sei für alle Beteiligten eine große Herausforderung, betonte Prof. MMag. DDr. Werner Anzenberger von der AK Steiermark. Die AK und auch er persönlich stehen allen Arbeitnehmer:innen beratend zur Seite, da die Thematik so spezifisch sei, wie jeder einzelne Fall.

Dirk Müller, MAS zeigt wie Palliativ Care in einer an Menschen und Angeboten diversen Millionenstadt wie Berlin gelingen kann. Dabei stehe nicht die Errichtung spezifischer Einrichtungen im Vordergrund, sondern die Weitergabe des spezifischen Denkens und Handelns in den verschiedenen Dienstleistungen der Pflege und Betreuung.

Felicitas Kruse führt die Teilnehmer:innen, unter denen auch viele in Ausbildung stehende junge Menschen waren, mit ihrem preisgekrönten Film „Ich verstehe die Welt nicht mehr“ in eine Kultur der Langsamkeit. Sie begegnet mit diesem Film ihrer eigenen Mutter mit Demenz neu in einem entschleunigten und achtsamen Miteinander.

„Dann auch noch Ethik“, aber auch warum diese in pflegerischen Kontexten bedeutsam ist, erklärte Dr.in phil. Doris Fölsch, Ehtikberaterin im Gesundheitswesen und selbst lange in der Pflege beschäftigt. Die deutliche, stark beifallbeklatschte, Botschaft an die Politik ist, dass Menschen in der Pflege mit ihren hohen eigenen ethischen Ansprüchen für ein gelingendes Miteinander nicht dahingehend ausgebeutet werden dürfen, dass die Rahmenbedingungen zunehmend ein ethisch und menschlich erfülltes Arbeiten nicht mehr möglich machen.

Marc Wallert, Spiegel Bestseller-Autor entführte das Publikum in einen Dschungel von Emotionen. Er, der 140 Tage als Geisel von Terroristen in Gefangenschaft war, fand es außerordentlich mutig, das Thema Tod nicht nur zu thematisieren, sondern es sogar in den Titel der Veranstaltung zu schreiben. Wie gelingt es, kühlen Kopf zu bewahren, wenn einem gerade angekündigt wurde, möglicherweise am nächsten Tag enthauptet zu werden oder wie kann man selbst unter derart extremen Bedingungen als Team bestehen waren Ansätze, mit denen er einen Weg aus unplanbaren und fallweise aussichtslosen Situationen zeigte.

In der Hoffnung aller, dass am 5. Oktober 2023 das 8. Pflegesymposium in Schladming zu Begegnung und Bildung einladen kann, ging ein ansprechender wie anspruchsvoller Tag zu Ende.

 

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