Newsletter 3: Humor und Demenz

Sommer 2019

NIEDER MIT DER VERNUNFT - ES LEBE DER BLÖDSINN (KARL VALENTIN) Orientierte Menschen wollen sich nach Regeln, Normen, Leitlinien richten - diese zeigen uns, wie wir uns verhalten müssen. Doch Demenz kennt keine Regeln, Normen bzw. Leitlinien. So entstehen natürlich oft auch humorvolle Situationen, z.B. der kleine Keramikengel bekommt die Mandarinenspalten in den Mund gesteckt, die Zahnprothesen werden im Aquarium gewaschen, vieles steht Kopf.

Wenn das Thema Demenz im Spiel ist, hören wir oft: „Vieles wird so kompliziert, da vergeht einem das Lachen!“ So drängt sich also die Frage auf: "Dürfen wir da noch lachen? Hat da Humor und Heiterkeit noch Platz?" Prof. Dr. Dr. Rolf D. Hirsch hat sich als Gerontopsychiater mit dem Thema „Humor trotz(t) Demenz“ beschäftigt und ist überzeugt: “Lachen mit dem Erkrankten ist kein Auslachen, sofern Humor von Pflegenden aus einer inneren Haltung des Verstehens und Helfen-Wollens eingesetzt wird und bei Nichtverstehen gegebenenfalls auch sofort wieder auf die ernste Seite zurückgeschwenkt wird.“

Besonders bei schwierigen und belastenden Alltagssituationen kann Humor und spielerische Interventionen helfen, dies leichter zu bewältigen und das Unglück zu verringern. Wenn auf Augenhöhe miteinander gelacht wird, dann werden die Ressourcen des Betroffenen auch damit gefördert und alle verbliebenen Fähigkeiten werden nicht komplett von der Erkrankung eingenommen.

Humor, Heiterkeit, Lachen - auch das Lachen über sich selbst - bleibt lange erhalten. Oft wird uns Frohsinn schon in die Wiege gelegt. Humor ist die eine Herzenssache, die nicht kränkend, verletzend oder beschämend, sondern heilsam ist. Und so kann Humor auch als Therapeutikum eingesetzt werden. Die Atmosphäre verbessert sich, wo gelacht wird und nicht zu vergessen: "Wer lacht, der dämmert nicht vor sich hin!"

Besonders auch für Bezugspersonen von Menschen mit Demenz ist es eine wichtige Voraussetzung, über eine gute Portion Humor zu verfügen. Als Bezugsperson zu sehen: „Es gibt kein gut oder schlecht, es ist eben anders!“, hilft sehr. Humor kann uns also gegen Alltagsschwierigkeiten wappnen. Natürlich ist Fröhlichkeit kein Allheilmittel gegen Demenz, doch sie kann durch Fördern von Lachen und Frohsein ein Lichtblick im Alltag von Menschen mit Demenz und auch deren Bezugspersonen sein!

Prof. Dr. Dr. Hirsch hat einige Punkte für An-und Zugehörige von Personen mit Demenz, aber auch im speziellen für professionell Pflegende zusammengeführt, um mehr Humor in den Alltag zu bringen:

  • Finden Sie heraus was Sie lustig finden und begeben Sie sich aktiv in Situationen, die Sie zum Lachen bringen (Theater, Kino, Fernsehen, Zeitungen, Comics)!
  • Behalten Sie eine spielerische Grundeinstellung bei der Arbeit (Das Leben ist zu wichtig, um es ernst zu nehmen)!
  • Lachen Sie bewusst laut und herzlich!
  • Schreiben Sie Witze auf und erzählen Sie sie weiter!
  • Spielen Sie mit doppelten Bedeutungen und Wörtern im Alltag! Finden Sie für Cartoons neue Unterzeilen! Fragen Sie sich bei allem, was Sie erleben, was daran komisch ist!
  • Finden Sie Inkongruenz im Verhalten bei Fremden und KollegInnen und lachen Sie darüber!
  • Schauen Sie sich Ihre eigenen Schwächen an und übertreiben Sie diese ins Groteske!
  • Nehmen Sie sich im größten Stress einfach eine Minute Auszeit und lächeln Sie ohne Grund!

Literaturnachweis:

  • deutschlandfunkkultur.de/kraft-des-lachens-humor-trotz-t-demenmentage.ch

Das Lebenslinien Team

  • Martina Kirbisser, MScMartina Kirbisser, MSc
    Projektleiterin Lebenslinien
    T: 0676 84 63 97 36
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  • Monika JörgMonika Jörg
    LEBENSLINIEN Demenzberaterin
    T: 0676 84 63 97 38
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