Newsletter 4: Mahlzeit für Menschen mit Demenz

In diesem Newsletter haben wir einige Tipps zum Thema „MAHLZEIT für Menschen mit Demenz“ zusammengestellt. Dies kann ein persönliches Gespräch natürlich nicht ersetzen, jedoch als erster Anhaltspunkt für eventuelle Anpassungen dienen.

Führen Sie Veränderungen in Absprache und gemeinsam mit der dementiell veränderten Person durch, denn unser ganzes Leben lang bleibt es wichtig, an Entscheidungen teilhaben zu können und Mitsprache zu erleben.
Schon zu Beginn der dementiellen Veränderung können Sie mit der/dem Betroffenen gemeinsam an einer Essbiographie arbeiten. Darin können Gewohnheiten und Gepflogenheiten aus dem ganzen Leben, bei der Kindheit beginnend, niedergeschrieben werden. Dies kann im Laufe einer dementiellen Veränderung sehr hilfreich sein! Eine Vorlage dazu erhalten Sie bei LEBENSLINIEN oder Sie können sich diese auf unserer Homepage unter LEBENSLINIEN downloaden.

ALLGEMEINES

Für manche Menschen ist es schwer, dass das Einkaufen und Kochen, dass sie früher mit Leidenschaft selbst erledigt haben, nun von anderen übernommen wird. Die Rolle der „Versorgerin“ bzw. des „Versorgers“ ist für viele zentral und Sinn des Lebens. Deshalb können Personen mit Demenz diese Unterstützung gerade am Beginn und in der Phase der mittelschweren Demenz auch von ihren Kindern, schwer annehmen. Wir haben einige Hinweise vorbereitet, die oftmals schon Unterstützung leisten können. Bedenken Sie: Essen ist oftmals auch ein Ritual bei dem die Lebendigkeit der Familie gespürt wird. Ohne dieses Gefühl schmeckt es manchmal einfach nicht.

  • Gemeinsames Lesen von Rezepten und über das Kochen sprechen, macht schon Appetit.
  • Beziehen Sie die Person mit Demenz, falls diese gerne gekocht hat, immer in das Kochen mit ein. Fragen sie nach Tipps beim Kochen. Falls diese nicht mehr ganz stimmen, muss dies dann ja nicht so durchgeführt werden. Doch zeigen Sie immer Wertschätzung für diese Beratung!
  • Bereits beim Kochen kann gekostet und genascht werden!
  • Versuchen Sie beim Zubereiten, auf Vorlieben der von Demenz betroffenen Person einzugehen.
  • Versuchen Sie, gemeinsame Mahlzeiten in ruhiger Atmosphäre und immer im selben Raum einzunehmen. Diese Kontinuität schafft viel Sicherheit.
  • Wundern Sie sich nicht, wenn sich Vorlieben plötzlich ändern – typische „Fleischtiger“ mögen jetzt vielleicht lieber süße Hauptmahlzeiten.
  • Es kann passieren, dass Personen mit Demenz das Gefühl haben: „Heute habe ich noch nichts zum Essen bekommen.“. Dann lassen Sie ein zweites Frühstück oder ein zweites Mittagessen entspannt zu. Fragen Sie nach: „Worauf hast du noch Hunger?“. Oft reicht eine Kleinigkeit oder das Gespräch, um die Person zu beruhigen!

Für allein lebende Personen mit dementieller Diagnose

  • Kontrolle auf verdorbene Lebensmittel:

Leben Personen mit Demenz alleine im Haus oder einer Wohnung, ist es wichtig, gemeinsam mit dem Betroffenen, Kühlschrank und Speisekammer regelmäßig auf verdorbene Lebensmittel zu kontrollieren. Menschen mit Demenz haben oft eine andere Wahrnehmung und denken, dass verdorbene Lebensmitteln noch genießbar sind oder werden Sie vielleicht auch beschuldigen, die Lebensmittel stehlen zu wollen.
Nur das Ausräumen und Entsorgen der (eventuell verdorbenen) Lebensmittel ist allerdings zu wenig – sorgen Sie gemeinsam für Ersatz. Vielleicht ist es besser, lediglich kleine Packungen Haltbarmilch, anstatt Frischmilch zu kaufen. Vielleicht ist es besser, haltbare Würstel anstatt frischer Wurst vorrätig zu haben, denn manchmal werden die Lebensmittel auch nicht mehr in den Kühlschrank zurück geräumt.
Hochbetagte Menschen mit einer dementiellen Diagnose haben entbehrungsreiche Zeiten erlebt und können aus Angst wieder Hunger leiden zu müssen beginnen, Lebensmittel an Orten wie Kleiderschrank, Handtasche oder Garderobe zu sammeln. Sortieren Sie auch diese Orte regelmäßig durch!

Essen auf Rädern:

Sollte es für die Person mit dementieller Diagnose nicht mehr möglich sein, allein einfache Gerichte zu kochen, informieren Sie sich rechtzeitig über „Essen auf Rädern“ in Ihrer Gemeinde.
Es kann aber auch vorkommen, dass „Essen auf Rädern“ nicht akzeptiert wird. Ein Grund dafür kann sein, dass es dem Menschen mit Demenz schwerfällt, Hilfe anzunehmen, oder dass er sich nicht eingestehen möchte, dass das Selberkochen nicht mehr funktioniert. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit mit Hilfe von Nachbarn oder Freunden, eine andere Lösung zu finden.

  • Vielleicht möchte die Person öfters ausgehen und auswärts essen. Sicher lässt sich dies mit dem Gasthaus/Caféhaus in Ihrer Gemeinde besprechen und Sie können einmal wöchentlich zum Bezahlen vorbeikommen, sollte dies der dementiell veränderten Person schwerfallen.
  • Machen Sie sich keine Sorgen, wenn nicht jeden Tag „warm“ gegessen wird. Wichtig ist, dass die Lust am Essen erhalten bleibt und die Selbstständigkeit solange wie möglich gewahrt ist.
  • Die Geschmackswahrnehmung lässt im Alter nach. So kann es passieren, dass das Essen als „fad“ empfunden wird. Der Geschmack kann mit Kräutern und Gewürzen ergänzt werden.

Flüssigkeit und (Un)Lust am Trinken

Personen mit dementieller Veränderung trinken oft zu wenig. Ursachen dafür sind mangelndes Durstgefühl, der Gedanke eben erst etwas getrunken zu haben oder auch die Angst vor häufigen Toilettengängen.

  • Auch hier können sich Vorlieben ändern. Sollte die Person mit Demenz der gewohnte Kaffee nicht mehr schmecken, versuchen Sie Kakao oder warme Milch anzubieten.

Fortsetzung folgt mit dem Newsletter 5!

Das Lebenslinien Team

  • Martina Kirbisser, MScMartina Kirbisser, MSc
    Projektleiterin Lebenslinien
    T: 0676 84 63 97 36
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  • Monika JörgMonika Jörg
    LEBENSLINIEN Demenzberaterin
    T: 0676 84 63 97 38
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